Die BürgerInneninitiative “Retten wir den Grüngürtel” erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt Linz, das Land Oberösterreich und den Bund. Dokumente belegen ein skandalöses Verhalten der Stakeholder: Während Behörden per Bescheid behaupten, es gäbe keinerlei Unterlagen zum IT:U-Standort, wurden zeitgleich Fakten zur Umwidmung geschaffen. Die Initiative veröffentlicht nun die offiziellen Bescheide als Beweis für die gezielte Intransparenz.
Seit Inkrafttreten des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) kämpft die Initiative um Aufklärung über die Standortwahl der neuen IT:U im Linzer Grüngürtel. Die Antworten der verantwortlichen Stellen zeichnen ein Bild der organisierten Verantwortungslosigkeit und gleichen einem demokratiepolitischen Offenbarungseid.
Das „Phantom-Projekt: keine Akten auf Amtsebene, aber Fakten in der Politik: Stadt Linz, LandOÖ
Besonders brisant ist das Verhalten des Magistrats Linz und der oberösterreichischen Landesbehörden. In offiziellen Bescheiden wird behauptet, dass zum Standort Biologiezentrum „schlichtweg keine Informationen“, „keine Gutachten“ und „keine Unterlagen“ vorlägen. Es wurde sogar argumentiert, dass Planungen der politischen Ebene bisher nicht bis zur „Amtsebene“ gelangt seien. Dabei gibt es eine Reihe an Fakten, die gegen dieses Projekt sprechen:
• Klima & Naturschutz: Durch die geplante Verbauung und die Fällung zahlreicher alter Bäume droht der Verlust einer wichtigen Frischluftschneise. Zudem beherbergt die dortige, einzigartige Feuchtwiese eine FFH-geschützte Schmetterlingsart – ein klarer Konflikt mit dem Naturschutzrecht.
• Wasserbau & Sicherheit: Der oberhalb gelegene Elmberggraben ist aktuell nicht im Ausbauprogramm der Wildbach- und Lawinenverbauung vorgesehen. Eine großflächige Versiegelung könnte das Hochwasserrisiko massiv verschärfen.
• Verkehr: Die Planung für ca. 5.000 Personen ignoriert die mangelhafte Anbindung. Die nächste Straßenbahnhaltestelle (JKU) ist 1 km entfernt, die Busse in der Altenberger Straße rund 1,2 km, die geplante City S-Bahnstation 1,5 km. Eine Erschließung dieser Größenordnung fehlt völlig.
• Zu wenig Platz: Das Areal ist zu klein für eine Weiterentwicklung der IT:U. Also werden früher oder später zusätzliche Standorte benötigt. Damit ist das Argument der benötigten räumlichen Nähe ad absurdum geführt.
Die Spitze der Intransparenz markiert ein zeitlicher „Zufall“: Genau an jenem Tag, an dem der Initiative offiziell vom Land OÖ mitgeteilt wurde, dass keine Informationen existieren, wurde die Umwidmung für genau dieses Grundstück veröffentlicht. Via Medien wurde am 26.11.2025 verkündet, dass die neue Linzer Digital-Uni soll beim Biologiezentrum gebaut werden soll. Eine Umwidmung sei geplant, der Antrag werde in absehbarer Zeit erfolgen und dass es sogar noch Ende 2025 so weit hätte sein können.
„Es ist völlig unglaubwürdig: Ein Millionenprojekt dieser Größenordnung wird vorangetrieben, und die zuständigen Fachabteilungen wollen nicht einmal eine einzige Seite Papier dazu im Akt haben?“, kritisiert die Initiative. „Hier wird die Öffentlichkeit bewusst getäuscht. Entweder sagen die Behörden die Unwahrheit, oder es wird völlig blind, ohne jede fachliche Grundlage, wertvoller Grüngürtel geopfert.“
Mauern und Geheimhaltung: Bund, LIG, BIG
Auch das Verhalten der weiteren Projektbeteiligten spricht Bände über das neue Verständnis von Transparenz:
• Landes-Immobilien GmbH (LIG): Hier wird die Auskunft trotz vorhandener Unterlagen mit Verweis auf „überwiegende Interessen an der Geheimhaltung“ verweigert.
• Bundesministerium (BMFWF): Der Bund zieht sich auf die Position zurück, man befinde sich in der „Vorbereitung einer Entscheidung“, weshalb Informationen nicht zur Veröffentlichung bestimmt seien.
• Bundesimmobiliengesellschaft (BIG): keine Antwort
„Dieses abgestimmte Mauern aller Stakeholder – von der Stadt über das Land bis zum Bund – lässt nur einen Schluss zu: Die Bürgerinnen und Bürger sollen vor vollendete Tatsachen gestellt werden, bevor kritische Gutachten oder Standortalternativen überhaupt diskutiert werden können“, so die Initiative. 4.Beweismaterial für JournalistInnen freigegeben.
Um die Tragweite dieser Überrumpelungstaktik zu verdeutlichen, stellt die Initiative der Presse ein Dossier mit den Original-Bescheiden und dem Schriftverkehr zur Verfügung. Diese Dokumente belegen schwarz auf weiß die widersprüchlichen Aussagen der Behörden im Vergleich zum tatsächlichen Planungsfortschritt.
„Wir werden nicht schweigen. Wenn das die ‚neue Transparenz‘ in Österreich sein soll, dann ist sie eine Farce. Der Schutz unseres Grüngürtels darf nicht im Hinterzimmer wegverhandelt werden“, so das klare Statement der Initiative.
Zusätzliches Projekt: Das „Startup-Büro“
Neben der IT:U drängt ein weiteres Vorhaben in den geschützten Bereich:
• Neues Ökosystem: Es gibt Bestrebungen (u.a. von LH Stelzer thematisiert), ein Startup-Ökosystem unmittelbar an die JKU anzuschließen
• Flächenmangel an der JKU: Rektor Stefan Koch verwies darauf, dass der Hochschule aktuell keine zusätzlichen Flächen für solche Erweiterungen zur Verfügung stehen.
• Gefahr für die Waldränder: Da keine Flächen frei sind, rückt die Bebauung der Wiesen über dem TNF-Turm und der angrenzenden Waldgründe in den Fokus

