An: Prof. Dr. Stefanie Lindstaedt
Founding President IT:U – Interdisciplinary Transformation University Austria
Datum: 22. Februar 2026
Sehr geehrte Frau Präsidentin Prof. Dr. Lindstaedt,
die Gründung der IT:U ist ein wegweisendes Signal für den Innovationsstandort Oberösterreich. Als Befürworter einer interdisziplinären und transformativen Universität teilen wir Ihre Vision einer zukunftsorientierten Bildungsstätte.
Um diesen Erfolg langfristig abzusichern, ist es jedoch unerlässlich, die Standortwahl in Linz-Auhof einer kritischen fachlichen Prüfung zu unterziehen. In der aktuellen Debatte – unter anderem Bezug nehmend auf die Reportage im Weekend Magazin vom 17.2.2026 – wurden entscheidende Faktoren zur Hydrologie, Klimatik und Verkehrslogistik bisher nicht ausreichend berücksichtigt. Wir erlauben uns daher, Ihnen folgende Fakten darzulegen:
1. Rückblick: Warum der ursprüngliche Standort fachlich nicht haltbar war
Die Entscheidung gegen die erste Planung im Grüngürtel basierte auf fundierten Gutachten:
- Klimatische Barriere: Das Areal ist eine zentrale Kaltluftschneise. Eine Verbauung hätte die Belüftung der Stadt Linz nachhaltig gestört und Hitzeinseln im Zentrum begünstigt.
- Negatives wasserrechtliches Gutachten: Ein wesentlicher Punkt war die hydrogeologische Situation. Fachberichte machten deutlich, dass eine Versiegelung am Hang die natürliche Entwässerung derart gestört hätte, dass das Hochwasserrisiko für die darunterliegenden Wohnsiedlungen durch unkontrollierte Hangwässer unvertretbar angestiegen wäre. Eine wasserrechtliche Genehmigung war unter diesen Sicherheitsaspekten nicht zu rechtfertigen.
2. Der neue Standort: Klimatische und hydrologische Risiken
Auch die aktuelle Ausweichvariante (Bereich Biologiezentrum) birgt erhebliche rechtliche und technische Gefahren:
- Gefährdung der Kaltlufttrasse: Auch dieses Gebiet fungiert als wichtige Luftleitbahn für den Stadtteil. Eine großflächige Bebauung würde dieses Mikrosystem unterbrechen.
- Die ungelöste „5. Elmberg-Lücke“: Während vier der fünf Elmberggräben bereits zum Schutz der Bevölkerung hochwassersicher verbaut wurden, bleibt der Graben unmittelbar oberhalb des geplanten IT:U-Geländes ungesichert. Ohne eine umfassende und kostenintensive Verbauung der Hangwässer würde man die Universität sowie die Nachbarschaft bei Starkregenereignissen einem massiven Risiko aussetzen.
- Artenschutz: Das Vorkommen streng geschützter Arten (wie des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings) stellt eine hohe rechtliche Hürde dar, die zeitnahe Baufortschritte gefährden könnte.
3. Das logistische Nadelöhr: 5.000 Personen in der 30er-Zone
Eine Universität für Transformation sollte moderne Mobilität vorleben. Die aktuelle Planung steht dazu im Widerspruch:
- Infrastrukturelle Grenzen: Die Erschließung soll über Nebenstraßen erfolgen, die teilweise einspurig sind und in einer 30-km/h-Zone liegen.
- Verkehrskollaps: Es ist physikalisch kaum darstellbar, 5.000 Studierende und Mitarbeitende zusätzlich zum bestehenden JKU-Verkehr durch ein gewachsenes Wohngebiet zu führen. Allmorgendliche Staus mindern nicht nur die Lebensqualität der Anrainer, sondern auch die Attraktivität der IT:U für internationale Talente.
- Mangelnder ÖPNV-Anschluss: Eine Randlage ohne direkten, leistungsfähigen Schienenanschluss fördert den Individualverkehr und widerspricht dem Ziel einer „Green University“.
4. Die Chance: Urbane fehlende Zukunftsperspektive: Keine Expansion, keine Synergien
Ein wesentlicher strategischer Nachteil des geplanten Standorts ist die räumliche Beengtheit:
- Mangelnde Expansionsmöglichkeiten: Der Standort bietet keine Flächen für ein organisches Wachstum der Universität. Eine spätere Erweiterung der Institute wäre in dieser Randlage faktisch ausgeschlossen.
- Fehlendes Ökosystem für Innovation: Es gibt vor Ort keinen Raum für die Ansiedlung von Büros für Start-ups oder kooperierende Unternehmen. Eine Universität für Transformation lebt jedoch vom direkten Austausch mit der Wirtschaft. Ohne Flächen für Partnerunternehmen bleibt die IT:U eine isolierte akademische Insel statt ein pulsierender Innovationsknotenpunkt.
5. Die Chance: Urbane Transformation auf Brachflächen
Wir regen an, die IT:U auf bereits versiegelten Brachflächen im Zentrum (z. B. Postcity am Hauptbahnhof oder ehemaliges Nestlé-Areal beim neuen ÖPNV Knoten Franckstrasse) zu realisieren:
- Optimale Industrie-Kooperation: Die Nähe zu Partnern und deren Laboren wird durch die zentrale Lage und perfekte ÖPNV-Anbindung massiv gestärkt.
- Nachhaltigkeit: Bauen im Bestand schont den Grüngürtel, erhält Kaltlufttrassen und vermeidet kostspielige Hangwasserverbauungen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin, wir laden Sie ein, diese Punkte in die weitere Planung einfließen zu lassen. Eine Universität, die den Wandel lehrt, verdient einen Standort, der technologisch sicher, ökologisch vorbildlich und logistisch durchdacht ist.
Für einen fachlichen Austausch stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,
Bürger:innen-Initiative „Retten wir den Grüngürtel“